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Claudia
Muro-Kratz
Die Wiedergängerbraut
Hier
stehe ich nun und blicke auf den Ort meiner Kindheit. Meine Mutter
hatte damals die Stelle als Haushälterin des alten Pfarrers
Mahnkopp angetreten und bewohnte mit mir zwei Zimmer im Dachgeschoß
des Pfarrhauses der Kirche von Rorvig.
Und
genau hier möchte ich mit Boris in den Stand der Ehe treten,
denn dieses mir so vertraute Gemäuer ist bestimmt ein gutes
Omen. Als Termin für die Trauung haben wir den 15. September
ausgewählt, da hat Boris Geburtstag.
Die
Tür des Pfarrhauses öffnet sich, und ich bin angenehm
überrascht, einem so jungen und attraktiven Gottesdiener gegenüberzustehen,
der sich mit einem warmen und festen Händedruck als Victor
vorstellt. Ich freue mich, daß uns dieser sympathische Mann
trauen wird.
Nachdem
alles besprochen ist, machen Boris und ich uns wieder auf den Heimweg
in die Großstadt. Unterwegs hält Boris mit dem Wagen
vor dem Eingang des Pflegeheims, und ich steige aus, in der Hoffnung,
meine Mutter mit der Überraschung unserer bevorstehenden Hochzeit
in der Kirche von Rorvig etwas aufmuntern zu können.
Ich
hatte meine Mutter vor einigen Jahren zu mir nach Hause geholt,
da sie schon lange herzkrank war und die Arbeit als Haushälterin
nicht mehr bewältigen konnte. Nach ihrem Schlaganfall mußte
ich auf fremde Hilfe zurückgreifen, und meine Wahl war auf
dieses kleine und freundliche Heim gefallen.
Als
ich ihr Zimmer betrete, bietet sich mir der gewohnte, traurige Anblick.
Ein steifer Körper, entstellte Gesichtszüge. Einzig die
Augen verraten geistige Aktivität. Ich setzte mich an ihr Bett,
neige mich zu ihr vor und spreche ganz nah an ihrem Ohr. Die Reaktion
kommt unerwartet. Gurgelnde Laute dringen mit Speichelfäden
nach außen. Die einzigen drei noch halbwegs beweglichen Finger
ihrer linken Hand krampfen sich um mein Handgelenk, und ihre Augen
stieren mich entgeistert an. Wahrscheinlich hätte ich meine
Mutter behutsamer auf diese freudige Nachricht vorbereiten müssen,
denke ich erschrocken und rufe die Schwester.
Zu
Hause erzähle ich Boris den Vorfall, und er versucht, mich
aufzuheitern. In dieser Nacht schlafe ich unruhig und träume
schlecht. Ich stehe an der Steilküste. Das dröhnende Glockengeläut
der Kirche von Rorvig schwillt mit jedem Schlag zu einem immer ohrenbetäubenderen
crescendo an, das mir den Atem und die Besinnung zu rauben droht.
Doch ich starre wie in Trance auf die schwarzen Wassermassen, die
unter mir tosend gegen die Felsen sprengen. Dann spüre ich
es im Nacken, drehe mich ruckartig um und sehe meine Mutter mit
weit aufgerissenen Augen auf mich zukommen. Etwas spiegelt sich
in ihren Pupillen, das mich erschaudern läßt, doch ich
erkenne nicht, was es ist. Es kommt immer näher, ich mache
einen Schritt nach hinten - und falle ins Leere.
Beim
Frühstück schüttele ich meine innere Anspannung ab
und muß über mein plötzliches Gemütstief lachen.
Ein
paar Tage später besuche ich meine Mutter erneut, denn ich
möchte ihr mein Brautkleid zeigen. Mit flehendem Blick und
zitternden Lippen krallt sie ihre Finger in die weiße Spitze.
Sie bäumt sich auf und wirft ihren Kopf unkontrolliert hin
und her. Vielleicht gefällt ihr das Kleid nicht, oder aber
ihr Zustand hat sich wieder verschlechtert. Bedrückt gehe ich
nach Hause. Bei meinem nächsten Besuch scheint sie um Jahre
gealtert. Ich beschließe, kein Wort mehr über meine Hochzeitsvorbereitungen
zu verlieren.
Dann
ist es endlich soweit; der große Tag ist gekommen. Boris Vater
geleitet mich zum Altar, und ich konzentriere mich darauf, vor Aufregung
nicht zu stolpern. Boris grinst mich verschmitzt an, und ich weiß,
er ist der Richtige. Pfarrer Victor macht seine Sache gut. Nur viel
zu kalt und zugig ist es heute in der Kirche und für diese
Jahreszeit. Victors Atem bildet einen weißen Nebel, wenn er
spricht, und zahlreiche der vielen Kerzen gehen während der
Zeremonie langsam eine nach der anderen aus. Wahrscheinlich ist
die alte Kirche renovierungsbedürftig, denke ich fröstelnd.
Boris scheint nichts von dieser Kälte zu spüren.
Gegen
Abend verlassen Boris und ich heimlich unsere Hochzeitsfeier. Wir
haben in der Nähe ein kleines Zimmer in einer Pension gemietet.
Wir liegen eng aneinandergeschmiegt, und die Wärme seines Körpers
und das Rauschen der aufgewühlten Flut wiegen mich in einen
sanften Schlaf.
Dann
bin ich innerhalb weniger Sekunden hellwach. Mein Puls rast. Wie
ein Tier nehme ich Witterung auf. Aus dem Badezimmer dringt ein
gellender Schrei, Scherben klirren. Mit einem Satz bin ich an der
Tür, reiße sie auf und erfasse die Situation, ohne zu
begreifen. Boris liegt reglos am Boden, die Arme schützend
vor das Gesicht verschränkt. Seine Hände sind blutig;
er muß auf den Spiegel über dem Waschbecken eingeschlagen
haben. Ich versuche seine Arme hinunterzudrücken, und dabei
begegnet mir sein starrer Blick. In diesen gebrochenen Augen lese
ich das blanke Entsetzen, vor dem ich schaudern zurückweiche.
Alles
ist grau. Nicht nur die Gedanken. Tatsächlich erscheint mir
alles Sichtbare farblos. Dunkle Schleier haben sich über mein
Gemüt und über meine Augen gelegt. Ich bin so unendlich
müde. Dann erfahre ich, daß meine Mutter ebenfalls in
unserer Hochzeitsnacht gestorben ist. Nichts Außergewöhnliches
in diesem Zustand, heißt es. Boris erlag angeblich einem Herzversagen.
Doch seinen grauenvollen Todeskampf kann ich mir damit nicht erklären.
Ich
beginne damit, die wenigen Habseligkeiten meiner Mutter auszusortieren
an die Sachen von Boris wage ich mich noch nicht heran -
und dabei fällt mir ein Tagebuch von ihr in die Hände.
Nachdem ich das Schloß aufgebrochen habe, fange ich mit zittrigen
Händen an zu lesen:
Pfarrer
Mahnkopp hat mir heute etwas Seltsames erzählt, nämlich,
daß er seinem Vorgänger auf dem Sterbebett die Beichte
abgenommen habe. Der Sterbende erzählte ihm, er habe sich vor
Jahren aus Feigheit zum Mittäter eines grausamen Mordes gemacht.
Er sei damals gewaltsam zur Durchführung einer Trauungszeremonie
gezwungen worden, in deren Verlauf der Bräutigam die Braut
erschoß. Der Mörder erklärte, er habe vor Gott die
Todsünde seiner untreuen Braut gesühnt, auf das ihm und
seinesgleichen Gerechtigkeit widerfahre. Der Rächer habe ihm
mit dem Tode gedroht, falls er etwas über diesen Zwischenfall
verlautbaren würde. Also sei lediglich die vollzogene Trauung
in das Kirchenbuch eingetragen worden.
Pfarrer
Mahnkopp sagt, er habe zunächst geglaubt, es handele sich um
die Wahnvorstellungen eines Dahinscheidenden. Dann jedoch geschieht
ein seltsames Unglück. Der Bräutigam eines Paares, das
von ihm getraut wurde, kommt in der Hochzeitsnacht ums Leben. Ein
ähnlicher Vorfall ereignet sich ein Jahr später wieder
und nochmals nach weiteren drei Jahren. Pfarrer Mahnkopp hat Angst,
daß ein Fluch über seiner Kirche laste, doch er sagt,
er sei zu alt für derlei exorzistischen Kram.
Seit
einiger Zeit ist Ruhe eingekehrt. Keine eigenartigen Vorkommnisse
mehr; vielleicht hatte Pfarrer Mahnkopp doch ein bißchen zu
viel Einbildungskraft?! Seit er jedenfalls in Pension gegangen ist,
gefällt es mir hier nicht mehr sehr gut. Sein Nachfolger ist
überheblich und ein Misantroph. Habe versucht, ihm Pfarrer
Mahnkopps Geschichte zu erzählen, doch er nannte ihn verächtlich
einen alten Spinner.
Gestern
ist wieder etwas Furchtbares geschehen. Der nette junge Mann, der
gestern getraut wurde, ist in seiner Hochzeitsnacht einem epileptischen
Anfall erlegen. Es heißt, er habe so etwas vorher noch nie
gehabt. Doch der neue Pfarrer nennt es einen dummen Zufall.
Habe
mich in die Sakristei geschlichen und den Eintrag von Pfarrer Mahnkopps
Vorgänger im Kirchenbuch gefunden und mit den anderen Vorfällen
verglichen. Das Datum der kaltblütigen Hinrichtung der Braut
stimmt auf den Tag und Monat überein mit all diesen tragischen
Unglücksfällen, bei denen junge Ehemänner auf seltsame
Weise ums Leben kamen. Es geschah immer am 15. September
Hier
hören die Eintragungen auf, denn wenig später hatte ich
meine Mutter aufgrund ihres stetig nachlassenden gesundheitlichen
Zustandes bei mir aufgenommen.
Ich
klappe das Tagebuch langsam zu, bin wie gelähmt. Sie alle haben
etwas gewußt oder geahnt, und keiner von ihnen hat wirklich
etwas unternommen. Pfarrer Mahnkopps Vorgänger holte sich Absolution
auf dem Sterbebett, Pfarrer Mahnkopp flüchtete ins Altenheim,
meine Mutter rettete sich in die Krankheit und Pfarrer Mahnkopps
Nachfolger ließ sich kürzlich "aus gesundheitlichen
Gründen" an ein sonniges Plätzchen im Schwarzwald
versetzen.
Ich
muß sofort mit Victor sprechen, der mir seit Boris Tod ein
lieber Freund geworden ist. Wir sitzen uns im Pfarrhaus bei einer
Tasse Tee gegenüber und sein ruhiges und freundliches Wesen
strahlt auf mich über. Was ich ihm erzähle, erscheint
auch mir so irre, daß ich Angst habe, Victor könne mich
für verrückt halten. Doch aufmerksam und mit ernster Miene
hört er mir zu.
Es
sei die Braut, die ermordete Braut, die ihr Unwesen treibe. Immer
an ihrem Hochzeits- und Todestage kehre sie zurück, um Vergeltung
zu suchen. Und wenn dann ein Brautpaar beschließen sollte,
zufällig genau an diesem unglückseligen Tag, nämlich
dem 15. September, heiraten zu wollen, dann sei dem Bräutigam
der Tod sicher, denn an ihm räche sich die Ermordete für
die ihr durch den blutrünstigen Ehegatten zugefügten Grausamkeiten.
Victor
ist ganz bei der Sache, und gemeinsam fassen wir einen Plan. Wieder
zu Hause ergreift mich eine euphorische Geschäftigkeit. Ich
ziehe mir bequeme und warme Kleidung an, packe meinen Rucksack und
stiefele zurück zum Pfarrhaus. Der Sommer hat sich bereits
verabschiedet, ein schneidender Wind kündigt die frostige Jahreszeit
an. Victor hat die letzten Vorkehrungen getroffen. Er drückt
mir noch ein Funkgerät in die Hand, und etwas beklommen begeben
wir uns in die Kirche, wo wir unsere Stellungen einnehmen. Ich mache
es mir in einem der zwei Beichtstühle, die sich im Hauptschiff
gegenüberstehen, bequem und rücke den Vorhang so zurecht,
daß ich den vorderen Teil des Hauptschiffs, einen Arm des
Querschiffs und die Apsis überblicken kann. Flüsternd
testen wir unsere Funkverbindung, dann beginnt das nervenaufreibende
Warten.
Ich
muß eingenickt sein, denn ich schrecke hoch von dem leisen
und dumpfen Geräusch beim Aufprall meines Kopfes gegen die
hölzerne Seitenwand des Beichtstuhls. Es herrscht Totenstille.
Gerade als ich über Funk Kontakt mit Victor aufnehmen will,
höre ich etwas. Es klingt wie ein tiefes Seufzen, oder ist
es Victor, der schnarcht. Nein, es ist eindeutig ein Wimmern, das
vom Altar zu mir herüberhallt. Langsam breitet sich Gänsehaut
über meinen Körper, und ich verspüre das dringende
Bedürfnis, einfach wegzulaufen, doch ich zwinge mich zur Ruhe.
Aber ich wage nicht, das Funkgerät zu betätigen. Meine
Kehle ist wie zugeschnürt, mein Mund rauh und trocken, und
mein Flüstern käme mir vor wie ein Schrei in der Dunkelheit.
Regungslos verharre ich in meinem Holzkasten, traue mich kaum, Luft
zu holen und horche auf das unheimliche Stöhnen.
Dann
nehmen meine Augen einen weißen Schein war, der sich in Höhe
des Altars bewegt. Es sind keine Trugbilder meines übererregten
Zustandes, denn auch nach wiederholtem Augenreiben und gutem Zureden
bleibt das Gesehene real. Konzentriert kneife ich die Augen zusammen
und erkenne eindeutig die Umrisse einer Gestalt, die ein ausladendes
weißes Gewand trägt. Ja, sie ist es.
Dann,
so wie sie plötzlich erschienen ist, verblaßt ihre Erscheinung
und verschwindet in Altarhöhe. Alles ist wieder in Nacht und
Stille gehüllt. Die Minuten kriechen dahin, bis ein leises
Kratzen im Funkgerät mich aufschrecken läßt. Ich
bin überaus erleichtert, daß Victor das gleiche wie ich
gesehen und gehört hat.
Wir
sind uns sicher, daß irgendwo in dieser Kirche der Schlüssel
zum Geiste der Verstorbenen verborgen sein muß. Sie ist da,
ist immer da gewesen und wird immer da sein. Ihre Seele findet keinen
Frieden und wird bis zu ihrer Erlösung anderen keine Ruhe lassen.
Victor und ich wollen diesen Teufelskreis durchbrechen.
Zwei
Aufgebote, die für den 15.September bestellt sind, kann Victor
mit einer flüchtigen Begründung auf ein anderes Datum
verlegen.
Dann
nehmen wir uns die alten Grundrißpläne des Kirchengebäudes
vor und sind überrascht von der Vielzahl an Gängen und
Kammer, die laut Zeichnungen unter der Kirche angelegt sind. Wir
versuchen einen unterhalb der Krypta gelegenen Raum zu erreichen.
Zugang zu diesem Gewölbe verschaffen wir uns über eine
steinerne Falltür, die in der mittleren Grabkammer der Krypta
in den Boden eingelassen ist. Mit vereinten Kräften ziehen
wir an dem eisernen Ring, und nur unter größter Anstrengung
gelingt es uns, den Steinquader hochkant zu stellen. Die Öffnung
ist gerade groß genug für eine ausgewachsene Person.
Ich leuchte in das dunkle Loch hinein und erkenne eine steile Steintreppe,
die ins Ungewisse hinunterführt. Mit klopfendem Herzen und
weichen Knien beginne ich, die Stufen hinabzusteigen. Victor stemmt
die Schaufel in die Öffnung, um zu verhindern, daß der
Steinblock zurückfällt und uns lebendig begräbt,
dann folgt er mir.
Unten
angekommen befinden wir uns in einer Art Vorraum, der über
eine Tür in die besagte Kammer übergehen müßte.
Doch wir stehen vor einem soliden Mauerwerk, in das keine Tür
eingelassen ist. Der runde Strahl der Taschenlampe tanzt forschend
über die Wand. Mir ist, als sähe das Gebilde aus Steinen
und Mörtel an einer Stelle anders aus als die übrige Mauer,
und zwar genau in Form einer Tür, die es dort einmal gegeben
haben muß und später offenbar zugemauert worden ist.
Victor und ich tauschen Blicke. Wir müssen wissen, was sich
hinter dieser Wand verbirgt. Victor holt Werkzeug.
Ich
trete als erste über die Schwelle der durchbrochenen Wand und
möchte mich im nächsten Augenblick am liebsten einem Ohnmachtstaumel
hingeben, der mich alles vergessen ließe. Doch der Anblick,
der sich mir darbietet, gräbt sich mit voller Wucht in mein
Bewußtsein.
Da
liegt sie, oder das, was von ihr übriggeblieben ist. Erstaunlich,
wie gut der Körper dank Trockenheit und sauerstoffarmer Luft
konserviert ist. Die Knochen sind wie mit dünnem braunen und
gegerbten Leder überzogen. Sogar die inzwischen grauschwarze
Spitze des Brautkleides ist teilweise noch gut erhalten. Die nicht
mehr vorhandenen Lippen des wie zu einem gellenden Schrei weit aufgerissenen
Mundes geben ein intaktes Gebiß frei, das grauenvoll zu grinsen
scheint. Lange, schwarze, wild um den Schädel herabhängende,
verfilzte Haarsträhnen unterstreichen diesen grotesken Anblick.
Und hier, genau hier muß die Einschußstelle sein. Mein
Blick gleitet weiter über den Leichnam und heftet sich auf
den Teil, der einst zum Unterbauch dieser Unglückseligen gehört
haben muß. Es sieht aus wie ein tiefer waagrechter Riß,
aus dessen Mitte ein dünner vertrockneter Ast entspringt. Am
anderen Ende dieses langen, mumifizierten Halms, ungefähr einen
halben Meter von der Toten entfernt, hängt ein Gebilde, das
aussieht wie eine verdörrte Birne, an der Ansätze von
Händen und Füßen erkennbar sind.
Tränen
laufen über meine Wangen. Ich weine um sie, die auf so unaussprechlich
barbarische Weise hingerichtet wurde. Ihr schmerzverzerrtes Gesicht
verrät, daß der Schuß sie wohl verletzt aber nicht
getötet haben kann, denn erst das Herausreißen der fremden
Leibesfrucht aus ihrem Schoß hat sie elend verenden lassen.
Wie
stark muß der Haß eines Menschen sein, der zu so einer
Tat fähig ist. Ganz zu schweigen von dem Haß, den er
damit geschürt hat und der noch vielen anderen unschuldigen
Menschen das Leben gekostet hat. Ich ringe um Fassung, und auch
Victor ist sprachlos angesichts solch unermeßlicher zerstörerischer
Gewalt.
Die sterblichen
Überreste der meuchlings ermordeten Braut haben wir in einen
Sarg gebettet. Ihr, deren Würde zu Lebzeiten mit Füßen
getreten wurde, möchten wir mit einem angemessenen Begräbnis
ein Stück Achtung zurückgeben. Victor hält eine schöne
Predigt, dann lassen wir sie auf dem Friedhof im Ort unter einer
Buche beisetzen. Auf dem Grabstein kann man ihr tragisches Schicksal
nachlesen.
Victor
setzt offiziell durch, daß am Todestag der unglücklichen
Braut, also am 15. September, keine Trauungen mehr am Kattegat stattfinden
dürfen, sozusagen im Gedenken an dieses traurige Ereignis.
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