| Lena
Schulz: Das schönste Geschenk
Es gibt Zeiten, in den alle gut gelaunt sind,
Schüler wie Lehrer, zum Beispiel um halb zwei wenn die
Schule aus ist. Und es gibt Zeiten allgemeinen Missmuts, zum
Beispiel, wenn man eine Mathearbeit wieder bekommt. Jelina
öffnete ihr Heft und ihr sprang sofort, die große,
riesige fünf Minus ins Auge, die, die halbe Seite ihres
Schulheftes einnahm. Es war eine knallrote, fiese und furchtbar
gemeine fünf Minus. Jelina dachte an ihre Mutter, die
ihr mit Sicherheit den Hals umdrehen würde. "Ich
werde bestimmt Hausarrest bekommen: ein, zwei oder sogar drei
Jahre", dachte Jelina, ganz ängstlich. "Dann
kann ich Ben nicht mehr sehen und er mag dann sicher nicht
mehr." Ben, war der Grund weshalb Jelina sich nicht auf
die Mathearbeit konzentrieren konnte. Seit langem ist er in
ihren Gedanken und sie kann nix dagegen tun. Ben ist nämlich
einfach so unglaublich süß. Seit Jelina ihn das
erste mal gesehen hat, weiß sie, dass ER der "Mann
fürs Leben ist". Ja, es ist schon recht seltsam
das sie schon mit zwölf Jahren ihren Traumtypen kennen
lernt. Denn ihre Mutter ist bereits siebenunddreißig
und immer noch solo. Jelina ging langsam nach Hause und versuchte
sich wegen der Arbeit nichts anmerken zu lassen. Doch spätestens
als ihre Mutter nach der Arbeit fragte, bekam sie ein schlechtes
Gewissen. "Naja, weißt du..", räusperte
sich Jelina "die Arbeit war ziemlich schwer". Die
Mutter verzog das Gesicht etwas ärgerlich: Zeigen",
sagte sie in einer unfreundlichen Tonlage. Jelina legte die
verhauene Arbeit umgedreht auf den Tisch und wollte grade
gehen, als ihre Mutter sie am Arm packte: "Eine fünf
Minus", schrie sie "wie hast du das den nur geschafft.
"Eigentlich kann ich ja gar nichts dafür",
verteidigte sich Jelina. Schließlich begann sie ihrer
Mutter von Ben zu erzählen, seinen braunen Teddyaugen,
dem netten Lächeln, der warmen Stimme und seiner freundlichen
Art. Während Jelina so erzählte, hörte ihre
Mutter gespannt zu. "Das ist ja interessant ", meinte
sie und hatte wieder dieses für Mütter typische
Erzähl-mir-mehr-Lächeln im Gesicht. Doch spätestens
als die Mutter begann, nach seinen Eltern, den Schulnoten
und seinen Klamotten fragte, bereute Jelina, je etwas von
Ben erzählt zu haben! Schließlich war die Mathearbeit
schnell vergessen. Plötzlich kam Jelinas Mama auf die
wirklich wunderbare Idee, Ben zum Mittagessen einzuladen.
Jelina war sich nicht sicher, was sie von dem Vorschlag halten
soll, doch dann konnte sie sich doch noch dafür begeistern.
Nun musste sie nur noch hoffen, dass ihre Mutter nicht allzu
peinlich sein würde. Zwei Tage später, am Donnerstag,
war der Tag des Mittagessens. Nach der Schule machten die
beiden sich auf den Weg zu Jelina nach Hause. Er links, sie
rechts. Sie sprachen nicht miteinander, aber trotzdem wusste
jeder irgendwie, was der andere grade dachte. Jelina riskierte
einen kurzen Blick hinüber zu ihm, grade in diesem Augenblick
schaute Ben zu Jelina, und beide mussten lachen, als sie den
anderen ansahen. Etwa zehn Minuten später kamen die beiden
bei Jelina zu Hause an. Ihre Mutter stand schon in der Tür
und grinste wieder so "Mütterisch-gemein" zur
Gartenpforte. Nach dem Essen, ging Ben gleich nach Hause,
weil er am Nachmittag noch zu Jonas Geburtstag gehen musste.
Am Abend, als Jelina im Bett lag, dachte sie an Ben und daran
was er wohl von ihr halten mag. Nach diesem Mittagessen trafen
sich Ben und Lina, wie er sie immer nennt, noch öfter.
An einem Montagmorgen, brachte Ben Einladungskarten für
seinen Geburtstag mit, auch Jelina bekam eine und freute sich
sehr.
Bevor sie die Karte überhaupt zu Ende
gelesen hatte, machte sie sich schon Gedanken darüber,
was sie anziehen sollte. Abends konnte Jelina nicht einschlafen,
weil sie immer an die kleine blaue Klappkarte mit der Aufschrift
" Einladung" denken musste. Sie öffnete den
Umschlag, zog die Karte heraus und begann zu lesen: "Liebe
Lina" …
Sie merkte, wie es begann, in ihrem Bauch zu kribbeln. Doch
nach einer Weile schlief Jelina ein und träumte von einer
Wiese mit tausenden Blumen und mitten drin stand Ben mit einer
Rose in der Hand. Jelina, fand, dass das der beste Traum war,
den sie je hatte.
Ben’s Geburtstag rückte immer näher.
Jelina wurde auch immer aufgeregter und ihre Mutter immer
neugieriger! Schließlich war es soweit, der große
Tag war gekommen. Jelina machte sich rechtzeitig auf den Weg
zu Ben. Bevor sie die Gartentür zu seinem Haus öffnete,
blieb Lina noch einmal stehen um sich etwas Lipgloss auf die
Lippen zu schmieren. Doch eigentlich war diese Lippen - Beschmiererei
nur dazu da, um noch ein wenig Zeit zu haben darüber
nachzudenken, was sie Ben sagen soll, wenn er die Tür
öffnet. Lina setzte einen Fuß vor den anderen und
ging langsam, sehr langsam zur Haustür. Sie drückte
den Klingelknopf und setzte ihr schönstes Lächeln
auf, für Ben. Doch den ganzen Lipgloss hätte sie
sich sparen können, denn Bens Mutter öffnete, zu
Linas Enttäuschung, die Tür. Jelina war etwas überrascht,
dass das Geburtstagskind an seinem großen Tag nicht
einmal selbst die Tür aufmacht. " Hallo", sagte
die Mutter freundlich, "du musst bestimmt Jelina sein".
"Ja", antwortete Lina, und in diesem Augenblick
erschien Ben hinter seiner Mutter und schaute auf die Wohnungstür.
Die Mutter ging und Ben kam. "Hallo, komm doch bitte
rein", bat Ben. Jelina putzte sich die Schuhe auf der
Matte ab und trat ein. "Happy Birthday", sagte Jelina
lächelnd und kramte dabei in ihrer Tasche. Sie durchwühlte
alles und sagte laut denkend: "Wo ist es nur?" Ben
sah Jelinas Verzweiflung und schlug vor, dass sie doch erst
einmal ihre Jacke ausziehen sollte. Ben nahm ihr die Jacke
ab, und danach kramte sie sofort weiter. "So ein Mist",
dachte Jelina wieder Laut. Sie schaute etwas beschämt
auf den Boden: " Ich habe dein Geschenk vergessen!"
gestand sie. "Aber das macht doch nichts", entgegnete
Ben, "komm, die anderen warten schon". Schließlich
ging er ins Wohnzimmer. "Du bekommst es ganz bestimmt
noch", versicherte Jelina ihm, während sie sich
setzte. Lina, war dass ganze sichtlich peinlich, und wenn
sie gekonnt hätte, wäre sie sicherlich im Erdboden
versunken. "Was möchtest du trinken?", fragte
Ben "Cola, Saft, Selter, Milch oder Tee?" "Selter",
antwortete Jelina obwohl sie die gar nicht gerne trinkt. Denn
sie hofft, dass es vielleicht einen guten Eindruck hinterlassen
würde, wenn alle sehen, dass sie sich gesund ernährte.
Wenig später kam Ben’s Vater herein und brachte
einen großen Kuchen mit. Und Ben schaffte es auf Anhieb
alle dreizehn Kerzen auszupusten. Lina schaute sich um, und
musste feststellen, dass sie das einzige Mädchen auf
der Geburtstagsparty ist, und machte sich deshalb Sorgen.
Jelina schaute sich etwas um: rechts neben ihr saß Ben,
links Marc, gegenüber von ihr Leon und rechts daneben
Chris. Nach dem Kuchenessen, liefen alle raus zum Auto, denn
Bens Eltern hatten alle Gäste zum Schlittschuhlaufen
eingeladen. Wieder gab es einen Grund für Lina, sich
Sorgen zu machen. Sie war nämlich noch nie in ihrem ganzen
Leben Schlittschuh gelaufen und hatte Angst sich zu blamieren.
Zum Glück wusste Ben das. Das Auto hielt an der Eiskunsthalle
und alle stiegen aus. Jelina ging etwas langsamer als die
anderen. Ben kam ihr lächelnd entgegen und hielt ihr
ein ausgeliehenes Paar Schlittschuhe unter die Nase. Jelina
schluckte. "Komm schon, ich halte dich auch fest",
versicherte Ben ihr. Während die beide ihre Schuhe auszogen
und Ben Jelina noch einmal Mut zusprach, schlitterten Marc,
Chris und Leon schon graziös auf dem Eis. " Du schaffst
das", sagte Ben lächelnd. Er sprang aufs Eis und
drehte Kurven, als hätte er nie etwas anderes getan.
Lina dagegen klammerte sich ganz fest am Rand und versuchte,
sich möglichst wenig zu bewegen. Plötzlich griff
Ben ihre Hand und die beiden schlitterten so vor sich hin.
"Das ist fast wie laufen", meinte Ben. "Laufen
kann ich aber besser", bemerkte Jelina mit zittriger
Stimme. Nach einer Weile gewöhnte sie sich doch langsam
daran, nur Eis unter den Füßen zu haben. Ben und
Lina liefen Hand in Hand durchs Eisstadion und Chris, Marc
und Leon guckten etwas eifersüchtig. Lina dachte sich:
"Was kann es schöneres geben als mit Ben in einem
Eisstadion Schlittschuh zu laufen?"
Sie ließ Ben los, schloss die Augen und fühlte
sich wie eine Eisprinzessin. Bumm! Plötzlich stieß
sie mit einem älteren Jungen zusammen und wurde gegen
die Bande der Eishalle geschleudert. "Umwerfend",
dachte Ben. Doch als Jelina sich nicht mehr bewegte, machte
er sich große Sorgen. Ben sah, wie das Blut an Linas
Stirn hinunter floss. In diesem Augenblick kam die Ärztin
aufs Eis und beugte sich über Jelina. Ben stand da und
sah der Ärztin zu, die sie grade versorgte. Von der Seite
kamen Bens andere Gäste angefahren. Chris schaute Jelina
abwertend an und begann ganz schäbig zu grinsen: "Zu
dumm zum Schlittschuh laufen!" sagte er. Ben war wütend
und schallerte Chris so eine Ohrfeige, dass es durch das ganze
Eisstadion hallte. "Spinnst du?" schrie Chris entsetzt,
"dieses Mädchen hat dich ja total bescheuert gemacht".
Die Jungs fuhren beleidigt fort und Ben stand ganz allein
zwischen all den Schaulustigen. Die Ärztin legte Jelina
auf eine Trage und brachte sie in den Sanitätsraum. "Schlimm?"
fragte Ben besorgt. "Das gibt eine dicke Beule. Bist
du ihr Freund?" fragte sie. Ben zögerte, doch dann
sagte er: "Ja." "Warte hier", befahl die
Ärztin. Ben setzte sich auf eine der Bänke in der
Zuschauertribüne. Er dachte an Chris’ Worte: "Dieses
Mädchen hat dicht ja total bescheuert gemacht".
"Stimmt das?" fragte Ben sich selbst. Er musste
an Jelina denken, und daran, dass er sie eigentlich sehr gern
hatte. Ben überlegte und plötzlich stand Jelina
vor ihm, mit einem großen Pflaster am Kopf. "Lina,
wie geht es dir?" fragte Ben. Sie lächelte und er
wusste, dass alles O.K war. "Gehen wir?" fragte
Jelina. Ben hakte Jelina ein uns stützte sie beim Gehen.
"Mir ist noch etwas schwindelig", erzählte
sie. Auf dem Weg zu Lina machten die beiden Scherze über
Marc, Leon und Chris die wahrscheinlich grade sehr ärgerlich
in der Eishalle hockten. Kurz bevor Jelina zu Hause war, blieb
Ben stehen und sagte: "Ich mag dich, auch mit diesem
Mega-Pflaster". Er konnte sich auch ein Grinsen nicht
verkneifen. Jelina musste auch etwas lachen und kurz darauf
standen die beiden vor ihrer Haustür. "Naja, also
dann Tschüß", sagte Ben. " Warte einen
Moment, ich hole dein Geschenk", rief Jelina und stürmte
durch die Haustür. Ihre Mutter saß ganz verdutzt
vor dem Fernseher und ging sofort zum Küchenfenster,
als sie ihre Tochter durch die Wohnung flitzen sah. Von da
aus konnte sie die beiden gut beobachten. Jelina überreichte
Ben das Geschenk und meinte lächelnd: " Ich habe
es nicht vergessen". "Danke", antwortete Ben.
Er zog sie zu sich heran und gab ihr ein Küsschen auf
die Wange. Danach lief er schnell nach Hause. Als Jelina sich
umdrehte um ins Haus zu gehen, verschwand ihre neugierige
Mutter schleunigst hinter der Küchengardine. Lina lief
strahlend vor Glück in ihr Zimmer und war für den
Rest des Tages nicht mehr zu sprechen. Als Ben zu Hause angekommen
war, setzte er sich ins Wohnzimmer. Dort wartete bereits seine
Mutter auf ihn, um Ben zu erzählen, dass sie grade seine
wütenden Geburtstagsgäste aus der Eishalle abgeholt
habe. Ben versuchte zu erklären, weshalb er so sauer
war und seine Mutter konnte ihn gut verstehen. Er setzte sich
an den Tisch und packte das kleine Packet aus. Indem lag ein
Zettel:
Kinogutschein für zwei,
für den Film
In Love ………
Deine Lina
Seine Mutter fragte was das sei und Ben antwortet:
"Das schönste Geschenk dass ich je bekommen habe!!!"
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