Schreibwerkstatt
für Fortgeschrittene -
Der lange Atem 2 / Text-Dramaturgie
mit
Peter Grosz
Peter Grosz: Wenn einer eine Reise tut
Wer schreibt, bricht auf – und dies im doppelten Sinne. Dies
gilt auch für junge Autorinnen und Autoren. Ihr Aufbruch ist,
zögerlich mitunter oder erfrischend forsch, meist geleitet
von einem vagen Wollen oder getrieben von unbändigem Willen.
Aber Schreiben heißt, Figuren auf eine Reise zu schicken
und nicht nur sich selbst als schreibendes Wesen. Letzteres verleitet,
forciert durch einen restringierten Erfahrungshorizont, zur Kurzatmigkeit.
Ist aber das Bewusstsein für die dialektische Beziehung zwischen
Figur und Autor sensibilisiert, kann jede Irrfahrt eine erlebnis-
und erkenntnisreiche Heimfahrt in sicheren Hafen sein.
Diesem komplexen Verhältnis von Autor und Figur für die
Dramaturgie einer Geschichte widmete sich der Workshop. Zum einen
durch minutiöse Analyse der vorgelegten Texte bzw. Textfragmente,
immer auf der Suche nach einem Motiv des Reise-Aufbruchs der Figur,
und zum anderen im Aufzeigen missachteten Potenzials, das zur Verhinderung
einer lebendigeren Reise geführt hat - trotz spürbarem
Willen der Figur.
Der Workshop war nicht auf die schnelle Produktion eines längeren
Textes vor Ort angelegt, sondern auf das Erkennen der Ansätze,
die den Schreibprozess vorantreiben können; er sollte gewissermaßen
Wind in die Segel lenken auf der beschwerlichen Fahrt zu einem
Text mit längerem Atem. Ziel: eine erhebende symbiotische
Odyssee für Figur und Autor.
Schreiben, und erst recht bewusstes Schreiben, ist aber ein Prozess,
der eines braucht: Zeit.
Die hier präsentierten Werkstattergebnisse dokumentieren also
nur die ersten Korrektur-Versuche während der langen intensiven
Workshopreisetage. Vom nachhaltigen Ertrag berichten die nachstehenden
Statements.
Ein wenig traurig war ich immer, wenn es vorbei war, diesmal bin
ich besonders traurig: Was für großartige Tage, was
für eine großartige Truppe! Ich vermisse die Zeit
schon jetzt. Es hat wieder unglaublich viel Freude und Erkenntnis
gebracht, und ich bin jedes Jahr dankbar, dabei sein zu dürfen!
Denn: Wo gibt es sonst noch solch regelmäßige, familiäre,
tiefgründige und hochproduktive Workshops für junge Schreiber
wie in Oppenheim? In ihrer Art sind die Oppenheimer Wochenenden
einzigartig.
Oppenheim heißt Textkritik und literarischer Austausch, ein
bestimmtes Thema gibt die Kämmrichtung, und in der Luft ist
die Atmosphäre vom Finden neuer und Wiedertreffen alter schreibender
Freunde. Oppenheim führt zu neuem Textverständnis, schult
die Kritikfähigkeit und bringt Schreibanstöße,
um mitgebrachte Texte zu überarbeiten und neue zu schreiben.
Frischlinge werden mit offenen Armen empfangen, alten Hasen werden
immer wieder aufs Neue Beine gemacht.
Die Grundschule am Gautor ist wie geschaffen für das Wochenende – ein
einsames, ruhiges, weitläufiges Gebäude: Ruhe, Ambiente
und Magie.
Die Workshops in Oppenheim sind ein Forum, ein Fest, eine Messe,
ein Fechtturnier, eine Selbsthilfegruppe, eine Odyssee.
(Sebastian
Meineck, 17, Ingelheim)
Vorher, aus der Ferne, war Oppenheim ein Treffen junger Autoren
aus Rheinland-Pfalz - ich erwartete, Bekannte wieder zu treffen,
neue Leute kennenzulernen und natürlich im Schreiben weiterzukommen.
Während der Workshoptage hat Oppenheim eingelullt - liebe
Menschen waren das und intensive Arbeit mit den Texten. Und nachher:
Oppenheim wie ein Traum, ein eigenes Universum, in das wir nur
zweimal im Jahr eintauchen dürfen, damit es besonders bleibt
und nicht so leicht zu fassen. Und für mein Schreiben war
es ein Motor. Das Feuer brennt noch.
(Luca Jager, 18, Volkesfeld)
Die drei Tage sind unvergesslich. Ich habe erst einmal so
viele nette Menschen kennengelernt, die mit mir die Liebe zum
Schreiben
teilen. Ich konnte mich mit ihnen über meine Werke unterhalten
und habe in den Sitzungen viel dazugelernt. Wir haben jeden Text
ausführlich besprochen, sodass ich am Ende genau wusste, was
ich verbessern konnte – und das nicht nur auf den einen Text
bezogen, den ich eingesandt hatte, sondern allgemein. Ich weiß nun
beim Schreiben, worauf ich besser achten muss. Leider waren die
drei Tage aber auch zu kurz. Daher würde ich mir wünschen,
dass ich ein weiteres Mal an einem solchen Workshop teilnehmen
könnte, und aus demselben Grund würde ich auch jedem
empfehlen, sich für einen Schreibworkshop zu bewerben! So
eine gute Chance sollte man sich nicht entgehen lassen!
(Christina
Grohmann,15, Tawern)
Zwei Mal habe ich bereits an den Oppenheim-Workshops von Peter
Grosz teilgenommen, hierbei handelte es sich um die Fortsetzungswerkstätten „Der
lange Atem 1 + 2“. Thematisiert wurde vor allem Textarbeit
in Hinblick auf längere Prosa. Jetzt, nach dem zweiten Workshop,
habe ich festgestellt, wo die eigentlichen Ergebnisse des Workshops
stattfinden.
Sicherlich ist es schön, wenn man ein Wochenende gemeinsam
arbeitet und am Ende des Wochenendes ein Textergebnis vorzuweisen
hat. Doch seit ich am langen Atem teilgenommen habe, arbeite ich
an einem Text, der sich weiterhin entwickelt – so, wie es
der Workshop vorgesehen hat, mit Ausblick auf Novellen- oder sogar
Romanlänge. Die Anregungen aus dem Workshop helfen mir dabei
als Gedankenstütze, hier in der Ferne. Der lange Atem ist
noch da, auch wenn er gar nicht mehr da ist.
In den Monaten zwischen den beiden Workshops habe ich viel weiter
geschrieben – hatte beim zweiten Workshop die Möglichkeit
mich reflektieren zu lassen, um dann wieder ins stille Kämmerlein
zu wandern und weiter zu arbeiten. In dieser Hinsicht war es auch
spannend, andere in ihrem Prozess zu sehen und zu verstehen, mit
welchen Problemen man selber kämpft.
Das Kennenlernen anderer junger Autoren aus ganz Deutschland war
einmalig. Hier fand Vernetzungsarbeit statt, die vor allem nachhaltig
wirkt. Mit vielen kommuniziere ich weiterhin und tausche mich über
Textarbeit und Entwicklungen aus. Eine Möglichkeit, nach der
ich mich lange gesehnt habe und von der ich sehr froh bin, dass
es sie in dieser Form gibt.
(Robert Stripling, 20, Hannover)
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